Donnerstag, 24. Dezember 2015

Rezension "Die Schicksalsseherin"

Liebe überwindet jedes Schicksal



Ich habe mir zum Nikolaus das Buch der Autorin Sarah Neumann schenken lassen und es sofort zu Lesen begonnen.

Cover + Gestaltung:

Das Cover ist an und für sich schon ein Traum. Die Gestaltung mit der verschnörkelten Schriftart wirkt verspielt und passt perfekt zu der Protagonistin Myriel. Der Einband ist farblich perfekt abgestimmt und zeigt die Koboldin Myriel. Im Buch selbst wurde passend zu den Charakteren ein Zeichen bzw. Symbol angefertigt, das je nach Sichtwechsel zusammen mit dem Namen erschien. Mir persönlich hat diese Art der Aufmachung sehr gut gefallen, denn man wusste sofort, aus welcher Sicht wir die Geschichte im Augenblick erleben. Einzig bei Myriel wurde ich von Neugierde gepackt, denn ihr Symbol sind Seifenblasen, zu welchen ich zu Beginn keinen Bezug finden konnte. Das wird allerdings später aufgeklärt.

Charaktere:

Myriel ist mir bereits auf den ersten Seiten sehr ans Herz gewachsen. Sie ist eine kindliche Person, im heiratsfähigen Alter. Was, dass kann es eurer Ansicht nach nicht geben? Falsch gedacht! Myriel ist eine junge Frau, die sich gegen ihren Vater auflehnt und eines ihrer Talente sogar unterdrückt, weil sie einfach einen anderen Weg einschlagen und nicht im Kriegsgeschäft arbeiten möchte. In ihren Handlungen steckt eine gewisse Naivität, die allerdings sofort von ihren kreativen Ideen und ihrer lieben Art beiseitegeschoben wird. Sie ist ein Charakter, den man gerne umarmen würde, denn ihre Reinheit ist unheimlich selten. Ich konnte mich wirklich gut in sie hineinversetzen, habe mit ihr gelitten und gelebt.

Seith ist ihr perfektes Gegenstück. Ein Koboldherr, dessen Vater in der Politik großes Ansehen genießt und der dennoch früher ein junger Mann mit einigen Affären war. Sehr zum Ärger seiner Verlobten, für die er aber rein gar nichts empfindet, außer vielleicht Mitleid, weil sie an ihn gebunden ist. Seith ist ein wenig widersprüchlich, denn obwohl man erfährt, dass er ein Mann voller Leidenschaft ist – was in diesem Fall schon ein wenig in Richtung Bad Boy geht – scheint er wie geschaffen für Myriel. Es wird bei seiner Person kein Klischee bedient, denn er ist genauso freundlich und zielstrebend wie Myriel. Seith hat einige schwere Entscheidungen zu treffen und opfert sich sogar für das Schicksal auf, nur weil Myriel so viel daran liegt. Ein Traummann mit viel Potenzial, das meines Erachtens voll ausgeschöpft wurde.

Mueele ist das Nesthäkchen in der Familie und Myriels kleine Schwester. Obwohl sie keine besonders große Rolle einnimmt, blieb sie mir dennoch stärker als Alare und der Vater in Erinnerung. Sie hat noch nicht gelernt, sich gegen ihren Vater aufzulehnen und akzeptiert alles, was er von ihr verlangt. Erst dank Myriel, beginnt sie die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mueele ist unerfahren, freundlich und herzensgut. Eine tolle kleine Schwester.

Olan & Samantha sind die uneinsichtigen Charaktere des Buches. Olan ist der Verlobte von Myriel und Samanstha die Verlobte von Seith. Dadurch, dass ihre Familien verfeindet sind, wurden beide einem anderen versprochen. Natürlich leiden Olan und Sam darunter, denn sie spüren, dass es Gefühle zwischen Seith und Myriel gibt. Sam ist eine nervende Person, die während einer schlimmen Krise, nichts anderes zu tun hat, als einen Ball zu ihrem Geburtstag zu schmeißen. Unpassend. Ich denke, die Autorin wollte Sam unsympathisch darstellen, damit der Leser kein schlechtes Gewissen bekommt, wenn sich Seith anderweitig orientiert. Olan hingegen war grauenvoll. Ich konnte diesen Mann nicht verstehen. Zeitweise dachte ich, er hätte ein Geheimnis, würde etwas über das Sterben der Anderswelten wissen, aber nichts dergleichen wurde am Ende offenbart. Im Gegenteil, er vergreift sich sogar an Myriel und versucht sie zu vergewaltigen (die Szene ist nicht so schlimm dargestellt, wie sich einige jetzt denken werden, also keine Panik). Ich konnte seine Handlungen nicht nachvollziehen. Eigentlich hätte er im Buch nicht dabei sein müssen, denn für die Story war er irrelevant. Ich hatte lange darauf gehofft, eine geniale Wendung bezüglich seiner Person zu finden, doch dem war leider nicht so.

Schreibstil:

Sarah Neumann hat einen überragenden Stil. Sie schafft es die Worte so perfekt einzusetzen, dass man direkt nach den ersten Zeilen gefangen ist.

Spannung:

Das Buch beginnt interessant und mit einem spannenden Ereignis, sodass man sofort weiterlesen möchte. Zwischendurch lässt es ein wenig nach, denn die Charaktere erzählen von ihrer Welt, ihrem Alltag, ihrem Leben. Etwa ab der Mitte nimmt die Spannung wieder zu und zieht sich bis zum Ende des Buches. Ich war immer wieder überrascht, dass so viele Dinge passierten. Ich fand es grandios, dass Myriel so viel Stärke bewies. Definitiv unterhaltend.

Storyline:

Kobolde. Kleine, grüne Wesen, die unter einer Brücke leben, fluchen und dich mit Steinen bewerfen. Mit diesem Bild wagte ich mich an das Buch heran. Aber Überraschung, Kobolde haben etwas Liebenswertes an sich. Zumeist haben sie Schwarz oder Rothaar, das sich kräuselt. Sie besitzen Tonblumen, Efeukleidchen und Korallendiademe. Sie unterscheiden sich kaum von den Menschen, lediglich in Hinsicht auf ihre Größe und die spitzen Ohren. Kobolde sind ein niedliches Volk, die das Glück verteilen und somit jeder Anderswelt dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen. Mit Hilfe der Andersweltkugeln, ist es ihnen möglich, in andere Welten zu reisen, dort das Glück auf dem Rücken ihrer Eulen zu verteilen. Myriels Aktu war sehr süß beschrieben und es kam durchaus etwas Neid auf, da ich gerne auch so einen gefiederten Freund bei mir hätte. Ich werde jetzt nicht den Inhalt des Romans verraten, denn dafür bräuchte ich eindeutig zu viele Worte. Einzig das Ende kam mir zu kurz, weshalb ich einen halben Punkt abziehen muss. Als Leser fiebert man lange darauf hin und dann wenn es da ist, zieht es sich nur über wenige Seiten. Sehr unbefriedigend liebe Sarah! Ich wollte mehr Drama. *grins* Ansonsten hat mich deine Geschichte in eine fremde Welt gezogen, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe.

Fazit:

Ein Roman, der mit viel Hingabe und Fantasie geschrieben wurde. Sarah Neumann versteht sich darauf, mit den Worten zu spielen. Sie erschafft liebenswerte Charaktere, eine spannende Handlung und konnte mich sehr gut unterhalten. Der Epilog lässt darauf hoffen, dass auch Arielle, die Tochter von Myriel, eines Tages solche Abenteuer erleben darf. Auf eine Fortsetzung würde ich mich sehr freuen.

Eine gelungene Mischung aus Avatar ( Ivar Quaoi ), mit einem Hauch Auenland.
Ich kann diesen Roman nur weiterempfehlen. Der perfekte Lesestoff, um sich aus dem Alltag wegzuträumen. Die Kobolde werden euch erwarten. Lasst euch entführen und findet heraus, wie und ob, die Liebe das Schicksal überwinden kann.

Ich vergebe 4 1/2 von 5 Sternen.  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen