Dienstag, 5. März 2013

Les Misérables

 
 Inhalt:

 
Jean Valjean stahl einst für den Sohn seiner Schwester Brot, damit der Junge nicht verhungern musste. Für dieses Vergehen geriet er in Gefangenschaft und erlangte erst nach 19 gestohlenen Jahren seine Freiheit auf Bewehrung. Aus Angst vor seinem früheren Aufseher Javert, der noch immer über ihn wacht, taucht Jean Valjean unter und versucht seiner Vergangenheit zu entkommen.

In einer Kirche findet er Zuflucht, Nahrung und Herzensgüte. Man überlässt ihm sämtliches Gold und Silber, damit er ein neues Leben beginnen kann. Jean nimmt sich dies zu Herzen und verspricht in einem Monolog sich zu ändern. Er verdrängt seinen Namen und baut sich ein eigenes kleines Unternehmen auf. Mehrere Arbeiter stehen in seinem Dienst und er ist für sie verantwortlich. Als jedoch sein lüsterner Vorarbeiter Fantine feuert, weil sie ein uneheliches Kind versorgt, schaut er weg und stellt sich lieber seinem langjährigen Feind Javert, der ihn zu erkennen droht. Javert wirkt verunsichert, glaubt dennoch fest daran, seinen entflohenen Sträfling vor sich zu wissen.
 
Fantine, deren Tochter Cosette schwer krank ist, versucht sich ohne Arbeit über Wasser zu halten. Als sie in einer dunklen Gasse ihr Hab und Gut verkaufen möchte, machen ihr einige Huren ein passables Angebot. Sie überlässt ihnen ihr lockiges, dunkles Haar und ihre Backenzähne für einen niedrigen Preis. Um trotzdem genug für die Medizin und Verpflegung der Tochter aufbringen zu können, bietet sie ihren Körper fremden Männern an und versinkt in einem Schandloch von Frankreich. Der Selbsthass steigt, die Verzweiflung zerfrisst ihren Verstand und als sich schließlich ein Mann ihrer Widerspenstigkeit annehmen möchte, drängt sie ihn zurück. Javert ist in der Nähe und der edle Mann beschuldigt die mittlerweile kranke Fantine ihn ohne Grund angegriffen zu haben. Javert lässt sie verhaften. Fantine fleht, bettelt, er solle an ihr krankes Kind denken, doch der Polizist weigert sich auf ihre Worte zu hören. Zum Glück ist Jean Valjean in der Nähe und hebt sie in seine Arme. Er unterbricht Javert, der bereits ein Urteil zu sprechen vermag und bringt sie in sichere Obhut. Er verspricht Fantine ihr Kind zu suchen und für die kleine Cosette wie ein Vater zu sorgen, denn sein Gewissen lässt ihn an den Tag zurück denken, als er Fantine keine Unterstützung anbot. Schuldgefühle machen sich in seinem Magen breit. Und während er Fantine im Krankenhaus versorgen lässt, erfährt er von Javert, dass jener Flüchtling von damals in den nächsten Tagen gerichtet wird. Javert entschuldigt sich und möchte das Jean ihn anzeigt, weil er ihn fälschlicher Weise beschuldigt hatte. Jean jedoch flieht vor seiner Entschuldigung und kämpft mit Zweifeln. Auf der einen Seite, möchte er nicht dass ein anderer für seine Schuld büßt und auf der anderen, hat er viele Arbeitskräfte zu versorgen, die sich nur durch seinen Lohn über Wasser halten können. Um dennoch das Richtige zu tun, versichert er vor Gericht, dass er der Sträfling ist und der Mann ein Unschuldiger. Als Javert voller Hass und gleichzeitig Freude ihn verhaften möchte, entwischt ihm Jean, denn er hat Fantine ein Versprechen gegeben. An ihrem Totenbette, küsst er sie liebevoll auf die Stirn und begibt sich auf die Suche nach Cosette.
 
Das Mädchen lebte Jahrelang in einem Wirtshaus und musste für die Besitzer schwer arbeiten. Jean kauft das Mädchen ab und ermöglicht ihr ein einfaches, aber dennoch nobles Leben. Beide helfen der Unterschicht so gut sie können, werden jedoch sowohl von Javert als auch von den Wirtsleuten verfolgt. Ständig befindet sich Jean Valjean auf der Flucht, was ihn innerlich völlig zerstört. Als sich seine Tochter auch noch in einen Jungen namens Marius verliebt, der an den Barrikaden kämpft, versucht Jean alles, um dessen Leben vor dem sicheren Tode zu bewahren. Er glaubt, wenn Cosette und Marius eine gemeinsame Zukunft hätten, könnte er allein vor seinem Schicksal fliehen. Ob er es jedoch schafft, Marius und dessen Gefährten vor den Soldaten zu retten und ob Javert seinen verdienten Lohn nach all der Jagd erhält, erfahrt ihr im Kino.

 

Zusammenfassung:
 

Durch eine gute Freundin wurde ich auf den Film aufmerksam. Zugegeben, anfangs war ich etwas abgeneigt mir ein Musical in der Form anzusehen. Und als der Beginn auch noch recht schleppend verlief und unterstützt wurde von teilweise schiefen Tönen, war ich alles andere als begeistert. Doch Les Misérables hätte sicher keinen Oscar erhalten, wenn es ein Kinoflopp wäre. Nach etwa 20 Minuten entwickelte sich die Story und auch die Charaktere. Es war überragend, mit wie viel Gefühl der Regisseur und die Schauspieler eine eigene, längst vergangene Welt erschufen. Die bedeutendsten Szenen, jagten mir einen Schauer über den Rücken. Mit Gänsehaut und Taschentuch saß ich schniefend im Kino und fieberte den Geschehnissen entgegen.

Ab Fantines Straßenszene schlug jedes Herz der Besucher schneller. Ihr zierliches Wesen wurde perfekt verkörpert von Anne Hathaway. Niemals hätte ich geglaubt, dass sie zu solch einer Kunst des Schauspiels fähig wäre und das verbunden mit einer grandiosen Stimme. Was ich hier beschreibe, ist keinesfalls als Übertreibung zu verstehen. Anne hat sich den Oscar wirklich verdient. Denn aus Dreck und Elend kann man selbst mit den besten Absichten nicht mehr emporsteigen und versinkt schließlich vollkommen im Untergrund. Auch Fantine ist dieses Schicksal gewiss und obwohl sie sich dessen im Klaren ist, strebt sie weiter nach dem Höchsten, um ihrer Tochter etwas bieten zu können.

Hugh Jackman kenne ich durch viele Filme, aber noch nie zuvor musste er so sehr an seine Grenzen gehen. Mit anfangs schwankender Stimme, machte er die bedeutendste Entwicklung durch. Sein Charakter bot viel Stoff für Fragen. Sowohl äußerlich als auch innerlich erschien Jean Valjean als eine gespaltene Persönlichkeit. Seine Mimik und Gestik wurden durch die Monologe perfekt unterstützt. Auch die Maskenbildner haben an ihm gute Arbeit geleistet. Zu Beginn des Filmes war er kaum wiederzuerkennen und jeder Besucher schwankte zwischen Wissen und Neugierde. War dieser verkommene Schurke tatsächlich der Schauspieler den man aus Hollywoodstreifen wie „Australia“, „VanHelsing“ und „X-Men“ kannte? Ich fand es äußerst überraschend, dass sich seine Stimme im Verlauf des Geschehens mehr und mehr besserte. Er schien sich selbst alles abzuverlangen und erreichte dabei Höhen, bei denen ich nur schmunzeln konnte.
 
 
Russell Crowe, der mir als Gladiator Maximus stets in Erinnerung blieb, lieferte hier eine gute Besetzung. Als Javert spielt er einen zerrütteten Mann, der durch die Jagd nach Jean Valjean eines Besseren belehrt wird, aber mit dieser Einsicht nicht leben kann. Auch er gehörte zu den Wackelkandidaten, kämpfte sich aber eisern durch. Stimmlich, gab er keine große und interessante Spannweite. Er verharrte mehr auf dem Gebiet was er beherrschte, was ich ihm allerdings nicht ankreide. Ich fand ihn passend für diese Rolle. Als er sich als Spion unter die Widerstandskämpfer mischte, wirkte er sogar sehr sympathisch. Aus dem herzlosen Inspektor wurde ein fassettenreicher Mann, der selbst seinen Orden einem toten Jungen aus Mitleid und Ehrfurcht zukommen ließ.

Eddie Redmayne kam mir zuweilen äußerst verliebt vor, was ihn teilweise blind erscheinen ließ. Er befand sich in einer Zwickmühle, der er nur mit der Hilfe von Jean entkommen konnte. Obwohl seine Liebe sehr stark war, entschied er sich dafür an der Seite seiner Freunde zu sterben. Ehrlich gesagt, im Vergleich zu den anderen Charakteren lernte ich ihn nicht gut genug kennen. Er spielte etwas blass und wurde nicht so herausgefordert wie seine Kollegen. Dennoch fand ich auch ihn passend für diese Rolle.

Amanda Seyfried ist eine bezaubernde, junge Schauspielerin, deren Liebe zur Musik auch in diesem Film besonders zum Ausdruck kam. Als Zuschauer merkt man, wie gerne sie gesungen hat, um diesen grandiosen Hollywoodfilm zu erschaffen. Leider kam auch sie für meinen Geschmack zu kurz. Die Rolle bot nicht viel Platz für Überraschungen oder Entwicklung. Dennoch wird sie mir als Stimmwunder in Erinnerung bleiben.

Meine liebsten Charaktere waren Thénardier und Madam Thénardier. Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen lieferten eine perfekte Weise zwei diebische Elstern darzustellen. Durch Witz, teilweise auch Eckel und viel Humor brachten sie die Zuschauer mehr als einmal durch ihr törichtes und merkwürdiges Verhalten zum Lachen. Nicht nur die Art, wie sie ihre eigenen Gäste behandelten und beklauten, nein, auch ihre Beziehung zu einander trieb mir Tränen in die Augen. Zwei fabelhafte Schauspieler, deren Stimmen mit den Geschehnissen harmonierten.
 
 
Ansonsten sind noch nennenswert: Daniel Huttelstone als Gavroche und Samantha Barks als Éponone. Beide zählen zu der noch unbekannten Besetzung und drängten sich durch viel Talent in den Vordergrund. Zwei liebliche Charaktere die sich durch Charme, Kummer und viel Ausdruck neben den Hollywoodgrößen beweisen konnten. Ich würde mich über weitere Kinohits von den beiden sehr freuen, da sie frische Gesichter hervorzubringen haben und eine eigene Weise besitzen die Dinge zu verkörpern.

Die Lichtverhältnisse und die Kulissen ließen die Zuschauer in eine fremde Zeit eintauchen. Es wirkte alles sehr real, weshalb ich diesen Part noch einmal loben möchte. Besonders ergreifend waren die Gemeinschaftslieder und das unbeschreibliche Ende. Da ich nicht Spoilern möchte, verrate ich nur so viel: Les Misérables ist ein Film der euch rühren wird. Ihr werdet ein Taschentuch benötigen, einen klaren Verstand und ein Herz, das er erobern kann. Gibt man sich der Musik hin, versteht man die Handlungen der Charaktere und verschmelzt mit ihnen. Ein grandioser Film, den ich nur weiterempfehlen kann. Und wer sich nun scheut den Preis im Kino zu bezahlen, weil die Personen darin singen, den kann ich nur eines Besseren belehren. Es lohnt sich. Glaubt mir. Lasst euch verzaubern und genießt eine Geschichte die unter die Haut geht.

 
Ich vergebe 4 ¾ von 5 Sternen, weil der Anfang etwas schleppend war und die Stimmen nicht immer jeden Ton getroffen haben. Dennoch besteht dabei meine absolute Empfehlung!

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