Freitag, 7. September 2012

Heike Vullriede - "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen"


Der Tod kann mich nicht mehr überraschen“ ist dein erster Roman der im Luzifer Verlag erschienen ist. Worum geht es da?

Es ist die ironisch-tragische Erzählung über Marvin, dem das passiert, was uns allen irgendwann passieren könnte. Mitten in seinem erfolgreichen Leben erhält er eine schlechte Diagnose. Eine sehr schlechte Diagnose!
Nun liegt er gleich zu Beginn des Romans in sündhaft heißem Badewasser und übt das Sterben, indem er einfach den Atem anhält. Doch während er längst als bleiches Sirenenopfer dahintreiben könnte, rekeln sich Frau und Tochter im Wohnzimmer auf dem Sofa. Sterben muss man allein.
Seine Welt steht Kopf und schon bald fragt er sich, ob er sich sein bisheriges Leben nur schön geträumt hat. Die Beichten seiner Lieben bereiten ihm Gänsehaut. Blumen landen in Urinflaschen. Gelbe Kissen gedeihen zum Albtraum. Und seine Frau wird ihm zum Rätsel Über all dem schwebt der Tod, vor dem Marvin sich so gerne drücken würde.
Es geht also um ein ernstes Thema, gewürzt mit einem guten Schuss Ironie und kleinen versteckten Anspielungen auf das typisch „Menschliche“ in uns. Es darf geschmunzelt und geweint werden.

 
Broschiert: 234 Seiten
Verlag: Luzifer; Auflage: 1 (1. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943408078
ISBN-13: 978-3943408072
 
Roman: 14,50€
Ebook: 3,99€
 
 
Kritiken:
Sarkasmus und Ernst in Einem - Ich bin dabei ( 5 Sterne ) - Erbsenflocke
Es trifft den Nerv der Zeit ( 5 Sterne ) - Elfeblue
 
"Das Leben ist ein Traum von Gestern und Morgen." - Heike Vullriede
 

Wie bist du auf diesen Titel gekommen? Er klingt gleichgültig, interessant und traurig.

Marvin denkt so häufig über den Tod nach, dass er glaubt, dieser könnte ihn nicht mehr überraschen. Aber nichts ist planbar - nicht einmal der Tod. Und sowohl Marvin, als auch die Leser werden von Kapitel zu Kapitel überrascht.

Kannst du dich in deinen Hauptcharakter Marvin hineinversetzen? Würdest du bei einer schlechten Diagnose z.B. Krebs auch mit dem Gedanken an einen schnellen Tod spielen?


In dem Moment, in dem ich schreibe, bin ich sozusagen diese Person. Das geht gar nicht anders. Seine ganzen inneren Dialoge konnten nur entstehen, weil ich ihn durch und durch verstehe. Ja - während des Schreibens war ich Marvin und seinen inneren Kampf habe ich innerlich ausgetragen. Glücklicherweise konnte ich diese Welt mit Zuklappen des Manuskriptes wieder verlassen. Marvin nicht.
Ich kann nicht sagen, was ich tun würde, wenn ich eine so schlechte Diagnose erhalten würde. Im Moment denke ich, dass ich über meine Chancen Bescheid wissen wollte und mich danach für oder gegen einen Kampf entscheiden würde. Im Augenblick eher dagegen.


Was inspiriert dich beim Schreiben?

Menschen! Ich stelle mir immer vor, wie andere Menschen sich fühlen, wie sie denken, warum sie so handeln. Meine Welt zu verlassen und für eine begrenzte Zeit in eine andere einzutauchen, ist faszinierend. Wenn ich mal gar nicht inspiriert bin, lese ich in "Homo Faber" von Max Frisch. Das funktioniert immer.

Nimmst du deine Ideen aus deinem eigenen Leben oder ist es reine Fantasie?

Es ist von beidem etwas. Meine Geschichten sind fiktiv. Aber etwas aus der eigenen Erfahrung fließt wohl bei jedem Autoren ins Werk ein. Es gibt Menschen oder Schicksale, die mich besonders berühren, Gedanken, die ich weiterspinne und das zusammen wächst dann zu einer komplexen Geschichte.

Welches Genre begeistert dich beim Schreiben am meisten?

Gegenwartsliteratur, grob gesagt. Aus dem Alltag und aus der Gesellschaft gegriffene Themen, die irgendwo anecken, vielleicht auch provozieren. Wie in diesem Roman das Tabuthema Sterben. Aber auch Thriller reizen mich. Und auch Federleichtes, was die Menschen zum Schmunzeln bringt. Letztendlich möchte ich mich auf kein Genre festlegen.

Bist du eher ein fleißiger Leser oder ein Schreiber?

Früher war ich ein fleißiger Leser. Zur Zeit bin ich eher ein fleißiger Schreiber. Beides gleichzeitig kann ich nicht so gut. Lese ich ein gutes Buch, bin ich so darin vertieft, dass ich kaum herausfinde. Also gibt es Phasen, in denen ich mehr lese und welche, in denen ich mehr schreibe.

Hast du noch andere kreative Hobbies?

Ab und zu male ich. Ich bin aber nicht sehr geübt darin und bräuchte mehr technische Kenntnisse über Licht und Schatten, Perspektive usw. Mir fehlt einfach die Zeit. Eine Zeit lang habe ich mich an Speckstein versucht. Eigentlich ist auch www.LitBorken.de ein Hobby von mir - dort gehe ich auf literarische Spurensuche im Kreis Borken und Umgebung.

Wäre es dein Traum eines Tages vom Schreiben leben zu können?

Eindeutig ja - ich muss ja nicht unbedingt ausschweifend davon leben können. Ich weiß, dass es utopisch ist, aber träumen darf man ja.

Wieso hast du dich auf ein alltägliches Thema gestürzt und dich nicht dem Fantasy – Hype angeschlossen und etwas über Werwölfe oder Vampire geschrieben?

Der Alltag kann so spannend sein! Er bietet doch alles, was man für eine gute Geschichte braucht: Liebe, Tod, Leidenschaft, Intrigen, Hass, Hingabe, Gier, Neid und und und. Ich habe nichts gegen Fantasy, Werwölfe und Co - es sind Märchenwelten, in denen es genau um die gleichen Themen geht. Wenn man diese Themen aber in der ganz realen Welt ansiedelt, berühren sie stärker, glaube ich.
"Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" löst bei einigen Menschen starke Gefühle aus, stärker, als ich es vermutet hätte. Obwohl Sterben und Tod doch in jedem Krimi und jedem Thriller, jedem Fantasy- und Vampirroman blutig ausgebreitet wird. Sterben im Alltag ist grausam. Sterben im Vampirroman ist spannend.

Ich habe übrigens einen Fantasy-Kinderroman in der Schublade liegen und finde ihn ganz toll.

An was arbeitest du zur Zeit? Gibt es eine Fortsetzung?

Zur Zeit arbeite ich an einem Thriller, der in der neuen Thrillerline des Luzifer Verlages erscheinen wird. Der Arbeitstitel ist "Notizen einer Verlorenen". Es wird also spannend. Daneben arbeite ich noch an zwei weiteren Romanprojekten. Eine Fortsetzung zu "Der Tod kann mich nciht mehr überraschen" kann es nicht geben.


Hast du ein paar Tipps an unerfahrene Autoren die schon einmal abgelehnt wurden und langsam den Mut verlieren?

Es schadet nicht, wenn das Manuskript nach einer Ablehnung eine Weile in der Schublade verschwindet. Wenn man es dann nach einiger Zeit wieder herausholt, wird man es überarbeiten und so gewinnt es durch die Absage an Qualität. Danach verschickt man es wieder. Als unveröffentlichter Autor sollte man es vielleicht im Kleinverlag versuchen. Die geben auch den etwas spezielleren Themen eine Chance. Kleinverlag heißt aber nicht, dass dort nicht nach Qualität gesucht wird. Und letztendlich: Absagen nicht persönlich nehmen und nicht aufgeben!

Erläutere bitte dieses Zitat genauer: „Unser Leben ist der Schein eines Lebens, an den wir uns klammern.“ ( Quelle: http://www.facebook.com/l/5AQG3uCSPAQHFusLcOIoWYlPkqHqeBnZdRcaILwioqtD_qA/dertodkann.de/ )


Ich glaube (da bin ich buddhistisch geprägt), dass jeder Mensch seine ganz eigene Vorstellung von seinem Leben hat. Eine subjektive Vorstellung, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Unsere Erinnerungen sind parteiisch und unsere Träume von der Zukunft nehmen wir für echt. An diese Vorstellung klammern wir uns. Wenn wir lernen, das zu hinterfragen und loszulassen, könnten wir den Augenblick leben und wären wahrscheinlich sehr viel entspannter.

Was glaubst du, hält die Zukunft für dich bereit?

Da die Zukunft nicht berechenbar ist, ist es eigentlich müßig, darüber nachzudenken. Eine kleine Änderung und alles verläuft ganz anders, als erwartet, nicht wahr? Da ich aber noch lange nciht erleuchtet bin und weil es eben menschlich ist, male ich mir eine Zukunft als Autorin aus. Ich sehe ganz viel Schreibarbeit auf mich zukommen. Und ich hoffe, dass meine Geschichten die Leser nicht nur unterhalten, sondern auch nachhaltig beeindrucken werden.

Gibt es irgendetwas, was du deinen Lesern mitteilen möchtest?

Ich freue mich über jeden einzelnen Leser, der sich die Zeit nimmt, meinen Roman zu lesen. Wenn er danach eine Weile nicht nur über Marvin, sondern auch über sich selbst nachdenkt, um so erfreulicher.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen