Samstag, 25. August 2012

Art Skript Phantastik Verlag

 Ihr sucht einen Kleinverlag, mit hoher Qualität und düsterer Literatur, dann seid ihr hier genau richtig. Die Verlegerin hat viel zu bieten und gibt jedem guten Manuskript eine Chance, die sich zu nutzen lohnt...

 

Erzähl doch bitte etwas zur Gründung des Verlages. Wie seid ihr auf die Idee gekommen etwas Selbstständiges zu wagen und wann bzw. wer war der erste Autor, der es bei euch ins Programm geschafft hat?

Erst mal möchte ich sagen, dass der Plural nicht passt, denn momentan leite ich den Verlag allein und das wird sich in absehbarer Zeit sicher nicht ändern. ^^

Ursprünglich bin ich staatlich geprüfte Grafik-Designerin, leider gibt es im Großraum Stuttgart (wo nun auch der Verlag sitzt) sehr viel Kreative und ich hatte immer schon ein Problem damit eine feste Stelle zu ergattern. Weshalb ich auch schon oft darüber nachgedacht habe mich selbstständig zu machen.

Die Idee zur Verlagsgründung entstand Mitte 2011 als der Autor Michael Zandt auf mich zukam und fragte ob ich Illustrationen für sein Buch „Hapu – Teufel im Leib“ zeichnen wolle. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass er schreibt, er war einfach nur der Vater meines besten Freundes ^^

Als ich sein Manuskript las war ich einfach nur begeistert! Das Buch war vollkommen anders als alle, was ich bis dahin gelesen hatte und plötzlich hatte ich den Impuls einen Verlag zu gründen, der genau diese Literatur verlegt.

Ich kaufte mir das Buch „Verlagsgründung in Deutschland“ von Michael Draksal (http://www.amazon.de/Verlagsgr%C3%BCndung-Deutschland-Buchverlag-Musikverlag-Klingelt%C3%B6ne/dp/3932908228/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1343678654&sr=8-1) um mir ein Bild davon zu machen wie man einen Verlag aufbaut und führt. Nach der Lektüre war klar: Das mach ich!

Da ich in dieser Zeit Arbeitssuchend war ging ich zum Arbeitsamt und fand dort, während ich wartete bis ich an der Reihe war, eine Broschüre über Zuschüsse. Mein Berater erklärte mir dann, dass ich einen Gründungszuschuss bekommen könnte, dazu musste ich „nur“ ein Konzept schreiben und es der IHK vorlegen, von dieser würde es dann bewertet werden und dort entschied sich auch ob ich den Zuschuss bekommen würde oder nicht.

Ich nahm daraufhin an einem Existenzgründungskurs teil und holte mir Infos wie mein Konzept aussehen sollte. Wenige Wochen später lieferte ich ein 15-Seitiges Konzept inklusive 2-Jahres-Plan, Aufbau, Werbestrategien, Zielgruppen- und Konkurrenzanalyse und so weiter ab. Der Herr von der IHK stempelte meine Unterlagen mit den Worten ab „So ein gutes Konzept habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“

Kurzum: Von der Idee einen Verlag zu gründen bis zur Gründung am 01.01.2012 verging ca. ein halbes Jahr – länger sollte man auch nicht über eine Existenzgründung nachdenken.


Wie bist du auf den Namen gekommen?

Damals machte ich ein Kurzpraktikum bei einem Fotografen, ich wusste jedoch, dass es in wenigen Monaten enden würde, weshalb ich auf Jobsuche war. Meinem damaligen Chef verkündete ich die Verlagsnamen, die ich mir ausgedacht hatte und er meinte „Du musst etwas nehmen, das auf die Themen deines Verlages hinweist.“ Und so verband ich ART - Die Kunst, da die Bücher ursprünglich illustriert sein sollten, aber auch jetzt noch mit künstlerischen Covern versehen sind, SKRIPT – Die Schrift bzw. das Schreiben und PHANTASTIK für das Genre. Liebevoll wird der Name auch mit ASP abgekürzt.


Welche Genre verlegst du?

Ich habe mit Dark und Urban Fantasy begonnen, mittlerweile vertrete ich:
Contemporary/Urban Fantasy, Dark Fantasy, Historical Fantasy, Horror, Science Fantasy und Social Fantasy – Eine genaue Beschreibung kann auf dem Verlagsblog gefunden werden (http://art-skript-phantastik.blogspot.de/2012/07/verlag-ausbau-der-genres.html)


Ich vertrete die dunkle Seite der Phantastik, alle diese Genres verbinden sich durch die dunklen Wesen. Vampire, Werwölfe, Dämonen, Nachtalben und so weiter, alles findet hier seinen Platz.



Welche Ziele hast du für die Zukunft?

So wie viele Autoren davon träumen einmal nur vom Schreiben leben zu können, so träume ich davon, einmal nur von meinem Verlag leben zu können. Ich habe noch einen Brotjob, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Weshalb ich oft die Verlagsangelegenheiten morgens oder abends regle. Vergangenes Wochenende habe ich zum Beispiel endlich alle meine eMails abgearbeitet, weil ich unter der Woche kaum noch dazu komme. Es kann auch passieren, dass ich eMails um Mitternacht verschicke, je nachdem wie lange ich arbeite und wie viel es zu tun gibt.


Welche Anforderungen an Autoren und Autorinnen hast du?

Ich verlange eigentlich nur, dass die Autoren wirklich schreiben wollen! Letztens musste ich einer Autorin eine Absage schreiben, da ihr Buch nicht ins Verlagsprogramm passte. Daraufhin schreib sie zurück, dass sie nun schon fast ein Jahr nach einem Verlag suche, dass deutsche Autoren ohnehin keine Chance hätten und dass sie das Schreien nun sein lässt. Solche Leute nehmen das Schreiben nicht ernst, oder glauben, es genügt, ein paar Zeilen hinzuschludern und damit einen Bestseller zu landen. Deutschen Autoren sollte klar sein, was sie erwartet, die wenigsten werden vom Schreiben leben können, aber die Möglichkeit auf Erfolg besteht immer. Die Leser machen einen Bestseller, nicht die Verlage! Aber die Verlage können es dem Leser einfacher machen ein gutes Buch zu finden.


Wie sollte man sich bei dir mit dem eigenen Manuskript bewerben?

Zu allererst mit einem Exposé. Viele wissen das nicht und schicken mir gleich Leseproben.

Ein Exposé ist praktisch die Bewerbung für ein Buch. Dort steht alles drin, was der Verlag wissen muss: Titel, Seitenzahl, worum es geht, etwas über den Autor usw.

Einen Exposé-Bauplan habe ich auch auf der Website, so haben Autoren, die noch nie ein Exposé verfasst haben einen Anhaltspunkt, wie sie vorgehen können.

http://artskriptphantastik.de/wir-suchen/autoren/



Welche Tipps kannst du unerfahrenen Jungautoren geben?

Schreibt, was Ihr wollt!

Das ist die goldene Regel. Schreibt nicht irgendwas, nur weil es gerade „in“ ist. Schreibt was Euch interessiert, was Ihr selber gerne lesen würdet, worauf Ihr Lust habt.

Als Übung ist es natürlich immer gut zu lesen oder auch mal Filme zu schauen. Schaut Euch mal im Bereich der Independent-Filme um, nicht unbedingt immer bei den Blockbustern (obwohl auch diese spannend sein könnten).

Ansonsten solltet Ihr Euch darüber im Klaren sein, wo Ihr hin wollt. Egal in welchem Genre Ihr schreibt. Ich nehme mal das Beispiel Vampire, weil es so gut passt. Wenn Ihr leichte Unterhaltung schreiben wollt, dann lest die True-Blood-Bücher, wenn ihr etwas ernster schreiben wollt, dann lest die Chronik der Vampire von Anne Rice. So oder so, überlegt Euch was diese Bücher ausmacht und warum sie erfolgreich sind und findet für Euer Werk heraus, welchen einzigartigen Wiedererkennungswert es hat, was es von anderen Büchern mit demselben Thema unterscheidet.

Lasst Euch nicht von Verlagen über den Tisch ziehen. Ich habe mittlerweile mit vielen Autoren gesprochen und einiges über die „Grauen Verlags-Schafe“ erfahren. Über Ver.di oder die IHK könnt Ihr Euch einen Standard-Autorenvertrag anschauen. Jeder Verleger sollte Euch für Fragen zur Verfügung stehen, fragt ihn also Löcher in den Bauch und Ihr werdet fragen haben, wenn ihr einmal vor so einem Vertrag sitzt ^^.

Es ist Euer Buch, Euer Baby! Klar ist es toll, wenn sich ein Verlag dafür interessiert, aber stürzt Euch nicht blind in diese Euphorie. Wenn Ihr unsicher seid, dann recherchiert selbst über den Verlag im Internet, Foren bieten meist eine Anlaufstelle.


In wie fern, betreibst du Werbung für deine Autoren?

Ich mache in erster Linie Werbung für die Bücher und dabei stelle ich natürlich auch die Autoren vor. Autoren-Vorstellungen auf dem Verlags-Blog und Interviews auf Blogs und anderen Medien gehören dazu, genauso wie das Erstellen und Verknüpfen von Facebook-Pages. Besonders da helfe ich meinen Autoren, denn nicht jeder ist fit in Facebook ^^.

Wichtig ist mir, das auch die Anthologie-Autoren genannt sind, ich finde es schrecklich, wenn bei manchen Anthologien als Autor „Diverse“ angegeben wird. Ich arbeite gerade daran, dass auf Amazon endlich alle 16 Autoren von „Vampire Cocktail“ angezeigt werden, aber auf der Website und auf dem Blog sind alle namentlich erwähnt und das macht die Autoren sehr stolz, wie ich von einigen gehört habe. Ich bin aber auch offen für neue Ideen, die meine Autoren mitbringen.



Hattet ihr schon euren ersten öffentlichen Auftritt per Lesung?

Ja, am 28. Juli 2012 waren vier meiner Autorinnen und ich beim 1. Fechenheimer Literaturfestival in Frankfurt dabei. Christina Fischer hat aus „Dämonenbraut“ gelesen, Stefanie Mühlsteph aus "Bittersüß wie Absinth", Stefanie Bender aus "Blutcocktail" und Nina Sträter aus "Garvamore, der beste Single Malt der Welt" – die letzten drei stammen aus der Anthologie „Vampire Cocktail“ die an diesem Abend auch weg ging wie warme Semmeln.

Ich hoffe, dass dieser Event im nächsten Jahr wiederholt wird und ich dann mit dem neuen Programm auch dort dabei sein kann. Die Lesungen meiner Autoren habe ich gefilmt und werde sie bald online Stellen.


Kostet eine Veröffentlichung in irgendeiner Hinsicht Geld?

Kein Autor muss Geld zahlen, ich habe keinen Druckkostenzuschussverlag! Auch die Anthologie-Autoren müssen keine Pflichtbestellmenge machen. Dafür verlange ich von meinen Autoren jedoch Liebe und Hingabe zum Schreiben, Euphorie und der Drang etwas auf die Beine zu stellen. Alle müssen mit anpacken und ihr Bestes geben.


Was bietest du den Autoren, die bei euch veröffentlichen?

Vor allem einen liebevollen Umgang mit dem Buch. Ich nehme mir sehr viel Zeit um mit Autor und Illustrator ein passendes Cover zu erarbeiten. Beim „Innenteil“ arbeitet der Autor meist eng mit dem Lektorat zusammen. Ich supporte dann wieder wenn es um Facebook-Pages, Blogs und Websites geht, vermittle zwischen Autor und Blogger und so weiter. Momentan kann ich mich noch ganz gut um die Belange jedes Autors kümmern, das soll in Zukunft auch so bleiben.


Warum sollte man als Jungautor / Autor sein Glück bei dir versuchen?


Aus den eben schon genannten Gründen ^^

Ich denke, dass ich einem Jungautor helfen kann sich zu präsentieren, egal ob mit einem Roman oder mit einer Kurzgeschichte. Ich verspreche nicht das große Geld, aber einen fairen und ordentlichen Umgang mit den Werken die mir anvertraut werden. Werke, die ich zu Büchern mache, die sehenswert sind und mit denen Autoren sich blicken lassen können.


Welche Vorteile hast du anderen Verlagen gegenüber? Was macht den ASP besonders?

Das ist eine knifflige Frage ^^
Jeder Verlag, der wirklich etwas erreichen will denkt im Endeffekt, dass er ein überzeugendes Konzept hat mit dem man die Konkurrenz hinter sich lässt. Jeder Autor legt bei der Wahl seines Verlages auf andere Themen wert. Für mich ist ein korrekter Umgang mit den Manuskripten, ein ordentliches Cover, eine hohe Buch-Qualität, ein gutes Lektorat usw. nichts Besonderes. Alles gehört dazu und so sollte es für jeden Verlag sein.



Welche Werke erscheinen noch dieses Jahr oder sind in Planung?

Für dieses Jahr ist das Programm mit „Dämonenbraut“, „Das schwarze Kollektiv“, „Wien, Stadt der Vampire“ und der Anthologie „Vampire Cocktail“ erst einmal vollständig. Aber ich plane natürlich schon fleißig für 2013. Dieses Mal wird es zwei Romane und zwei Anthologien geben.


Verlegst du nur Romane oder gibt es auch Ausschreibungen in deinem Programm? Wenn ja, sind welche geplant? Gibt es ein Thema?

Ich verlege beides. Anthologien sind sehr wichtig und ich verrate auch gerne warum. Ich weiß, es hält sich hartnäckig das Gerücht, kleine Verlage machen Anthologien, weil diese schnelles Geld bringen und man die Autoren meist nicht bezahlen muss. Das ist die eine Wahrheit. Aber die andere Seite ist auch, dass man mit einer Anthologie die Chance bekommt für eine Auszeichnung wie den Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet zu werden. Dort mit einem Roman unter den Nominierten zu landen ist für einen kleinen Verlag fast unmöglich, denn diese Ränge werden schätzungsweise zu 99,99% von Werken aus großen Verlagen eingenommen. Doch diese großen Verlage machen – ZUM GLÜCK – keine Anthologien und ich hoffe, sie kommen auch nie auf die Idee welche zu machen. In diesem Bereich sind die kleinen Verlage gefragt und können sich so richtig schön austoben. Das ist die Chance, die jeder kleine Verlag hat, darum mache ich Anthologien und ich mache sie nicht irgendwie, sondern ich gebe mein Bestes!
2012 habe ich mit „Vampire Cocktail“ eine sehr schöne Anthologie zusammengestellt, die bei den beteiligten Autoren so wie auch im Allgemeinen sehr gut ankam. 2013 lege ich mit den zwei Anthologien „Steampunk 1851“ und „Masken“ nach. Für diese beiden bin ich zurzeit auf der Suche nach Beiträgen. Der Einsendeschluss ist Ende Februar 2013, ich hoffe, dass noch ein bisschen was zusammenkommt. Die Ausschreibungen zu den Anthologien könnt Ihr jetzt schon auf dem Blog einsehen:
Masken: http://art-skript-phantastik.blogspot.de/p/anthologie-masken.html
Steampunk 1851: http://art-skript-phantastik.blogspot.de/p/anthologie-steampunk-1851.html




Ein Video zu einer Kurzgeschichte aus der Anthologie:
 
 
 

Ich bitte um einen kurzen Schlusssatz, der die Autoren motiviert, ihre Werke an dich zu schicken…

Bisher ist noch kein Genie vom Himmel gefallen, die goldene Regel lautet: Lasst Euch nie unterkriegen! Schickt Eure Werke an jeden Verlag der dazu passt und lasst Euch von Absagen nicht einschüchtern! Schreibt, weil Ihr schreiben wollt und vor allem WAS Ihr schreiben wollt. Bleibt Euch selbst treu. Ihr seid die neuen Dichter und Denker in Deutschland!


Danke für das Interview.

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