Dienstag, 17. Juli 2012

Michael Zandt - "Das schwarze Kollektiv"


Ein Autor der nicht nur sagt was er denkt, sondern es auch offen schreibt, ist schwer zu finden. Dennoch erhielt ich die Chance Michael Zandt zu interviewen und musste über so manche Bemerkung über z.B. dem Vampirhype schmunzeln. Ein sympathischer Autor, der nun mit seinem zweiten Roman die Herzen der Leser begeistert…


„Das Schwarze Kollektiv“ ist dein neuster Roman der Dank des Plots auf Amazon sehr vielversprechend klingt. Erzähl doch mal etwas darüber.

In Arikos Welt ist das „Schwarze Kollektiv“ der militärische Arm der dortigen Kirche. Seine Mitglieder stammen aus den Waisenhäusern der großen Städte, in denen das Kollektiv seinen Nachwuchs rekrutiert.

Der junge Ariko ist einer dieser Kirchensoldaten. Er wird in den Krieg gegen das tief in den Wäldern lebende Volk der Hameshi geschickt. Was er dort erlebt, lässt ihn an den erlernten Parolen zweifeln.

Schließlich wechselt er die Fronten. Bei den Hameshi trifft Ariko auf die Waldkriegerin Lamis’jala an die er sein Herz verliert. Fortan bildet nicht mehr Gott, sondern das impulsive Mädchen den Mittelpunkt seines Lebens. Dass es da etwas geben könnte das Lamis’jala ihm verheimlicht, kann er sich nicht vorstellen.



Taschenbuch: 264 Seiten
Verlag: Art Skript Phantastik; Auflage: 1 (28. Juli 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981509234
ISBN-13: 978-3981509236


Erläuterte den letzten Satz bitte ein wenig genauer, denn er hat mein Interesse geweckt: „Ariko lernt viel im Reich der ewigen Wälder, aber wird er am Ende auch begreifen, dass der Keim alles Bösen … in der Liebe liegt?“


Unsere Leidenschaften treiben uns an. Sie verleihen uns Kraft und innere Stärke. Sie können uns aber auch an Abgründe führen, wenn sie anfangen unsere Wahrnehmung zu trüben, oder unsere Ideale zu zersetzen.


Du bist bereits ein erfahrener Autor und kennst dich in der Verlagswelt gut aus. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Was hat dich dazu bewegt und welche Erfahrungen konntest du seit dem sammeln?

Ich habe mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht und irgendwann damit begonnen sie aufzuschreiben.

Das ich die Verlagswelt kennen würde, ist ein wenig übertrieben. Die großen Agenturen und Publikumsverlage sind mir fremd. Aber das wird sich in naher Zukunft ändern, denn ich habe da diese absolut umwerfende Idee! Willst Du sie hören?  

*Unbedingt!*


Also: Da ist dieser durchtrainierte, sonnengebräunte, dunkelhaarige, geheimnisvolle Mann. Der begegnet einer jungen, ebenfalls äußerst attraktiven Frau, die zwar auf „emanzipiert“ und „Karriere“ macht, sich insgeheim aber nichts sehnlicher wünscht, als von dem glutäugigen Fremden ordentlich rangenommen zu werden. Nicht ahnend freilich, welch düsteres Geheimnis der in den Untiefen seiner Seele birgt.

Ahm, nein! Wenn ich’s mir recht überlege beteilige ich mich lieber doch nicht an der Ver-Rosamunde-Pilcherung der Vampire und bleibe beim Art Skript Phantastik Verlag.



Ariko ist ein sonderbarer Name. Hat er eine bestimmte Bedeutung für dich?

Nein. Mir hat der Klang gefallen. Er wird übrigens auf dem „A“ (und bitte nicht auf dem „R“) betont.


Ziehst du selbst Parallelen zu deinen Charakteren? Könntest du dich mit Ariko identifizieren? Er wurde von seinen Eltern verlassen, in ein Waisenhaus gesteckt und gerät zu allem Übel auch noch in die Fänge des Militärs. Holst du dir diese Ideen aus deinem eigenen Leben?


Weder das Eine noch das Andere. Ich mag Ariko, hätte mich an vielen Stellen der Geschichte aber anders entschieden, als er es letzten Endes getan hat. Wofür ich ihn bewundere, ist die Bedingungslosigkeit seiner Liebe und die Konsequenz seines Handelns.

Ja, ich baue ab und zu auch ein persönliches Erlebnis in meine Geschichten ein. Dem Leser dürfte das in aller Regel nicht auffallen, mir aber macht es Spaß.


Warum spielen Götter in deinem Roman eine große Rolle? Faszinieren dich die Mythologien?


Gott (bzw. Götter) sind immer dann gefragt, wenn wir mit Dingen konfrontiert werden, die unser Verstand nicht zu fassen vermag. Der Tod ist eines dieser Dinge. Das Leben ein Anderes. Ich finde „Glauben“ eine wichtige, das Leben bereichernde Sache. Problematisch wird es immer dann, wenn Menschen meinen daraus Regeln für den Alltag ableiten zu können. Wenn es einen Gott gibt, dann legt er weder Wert auf Dankbarkeit noch Huldigungsgesänge.


Welches Genre bevorzugst du? Weichst du auch manchmal davon ab?


Bislang habe ich (fast) nur „Phantastisches“ geschrieben. Ob das immer so bleiben wird, kann ich heute nicht sagen. Was das Lesen betrifft, da greife ich gerne zu russischen, oder aber nordamerikanischen Autoren. Auch die deutsche Vorkriegsliteratur mag ich sehr.

Es ist einerseits zwar traurig, andererseits aber auch interessant: Während unsere Städte längst wieder aufgebaut sind, liegt die deutschsprachige Literaturlandschaft noch immer in Trümmern. Früher gab es einen Musil, einen Kafka, einen Hesse. Heute dagegen versucht man uns Sätzchen wie „Ilsebill salzte nach.“ als hohe Kunst zu verkaufen.


Eine deiner Kurzgeschichten war 2011 für den „Deutschen Phantastik Preis“ nominiert. Was war das für ein Gefühl dabei sein zu dürfen? Hattest du damit gerechnet?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei dieser Gelegenheit überhaupt erst erfahren, dass es so etwas wie einen „Deutschen Phantastik Preis“ gibt. Rückblickend war es natürlich eine gute Sache. Überhaupt muss man sagen muss, dass Anthologien für die kleineren Verlage eine gute Möglichkeit sind, sich über den „DPP“ zu profilieren. Bei den Romanen sieht das allerdings anders aus. Da regiert die Marktmacht der Publikumsverlage, selbst dann wenn sie, wie in diesem Jahr, allenfalls Mittelmäßiges zu bieten haben.


„Das Schwarze Kollektiv“ lässt den Lesern viel Freiraum für die eigene Phantasie. Wie bist du auf den Titel gekommen?


Meine Kriterien waren: 1. Der Titel sollte prägnant sein  2. Nicht mit „Die“ beginnen und 3. nicht auf „-in“ enden. All diese Vorgaben habe ich mit „Das Schwarze Kollektiv“ erreicht.


Was genau macht deinen Roman besonders? In wie fern hebt er sich deine Idee und Umsetzung von anderen Neuerscheinungen ab? Beschreibe ihn bitte auch in wenigen Sätzen und versuche uns noch neugieriger zu machen.


Mit Romanen (und ihren Figuren) ist das wie mit Kindern. Man gerät leicht in Versuchung, ihre wahren oder eingebildeten Vorzüge über den grünen Klee zu loben.

Lass es mich daher so sagen: Wer phantastische Geschichten mag, sich jedoch nicht in dem wiederfindet, was er derzeit in den Buchhandlungen zum Thema geboten bekommt, sollte dem „Kollektiv“ (und natürlich auch „Hapu“) eine Chance geben. Ich garantiere für nichts, außer für Eigenständigkeit.


Hast du neben deinem Debüt-Roman und der Kurzgeschichte auch noch andere Veröffentlichungen zu verzeichnen?

Ja.

Wenn ja, wie viele und wie heißen die Publikationen?


Mit „Hapu – Teufel im Leib“ und dem in den nächsten Tagen erscheinenden „Das Schwarze Kollektiv“ habe ich bislang zwei Romane geschrieben.

Meine Kurzgeschichten „Zeichen des Verrats“, „Auf Reisen“, „Nazi Zombie Holocaust“ wurden in Anthologien veröffentlicht. „Das Labyrinth der Schatten“ habe ich für ein Magazin geschrieben. Etwa zeitgleich zu „Das Schwarze Kollektiv“ wird meine Kurzgeschichte „Unter dem Nebelmond“ veröffentlicht. Sie ist Teil der Anthologie „Vampire Cocktail“ die ebenfalls im Art Skript Phantastik Verlag erscheint.



Wird es eine Fortsetzung von dem „Schwarzen Kollektiv“ geben?


Definitiv. Ob ich dieses Projekt allerdings sofort angehe, hängt vom Erfolg des „Kollektivs“ ab.


Wirst du in Zukunft noch weitere Werke schreiben und versuchen zu veröffentlichen? Bevorzugst du Kurzgeschichten, Romane oder Erzählungen? Kannst du uns vielleicht einen kleinen Einblick in einige deiner derzeitigen Arbeiten geben?


Schreiben werde ich, bis man mir den Laptop aus den Fingern windet. Was davon veröffentlicht wird, muss die Zukunft zeigen. Wer wissen möchte, was sich bei mir so tut, findet mich auf Facebook, oder meinem Blog. Auch der Art Skript Phantastik Verlag hält stets ein paar Infos bereit.

Derzeit fahre ich „zweigleisig“. Soll heißen, ich habe die Handlungsrahmen für zwei Romane in der Schublade. Mir geht es da wie diesem Westernhelden, der sich nicht ganz sicher ist, welchen Colt er zuerst ziehen soll.

Ich dedanke mich für das Interview.

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