Sonntag, 26. Februar 2012

Boris Pfeiffer´s Bücherwelt

Boris Pfeiffer ist ein angesehener und bekannter Autor, der vor allem Kindergeschichten auf den Markt bringt und so viele Leserherzen erfreut. Ich bin stolz ihn euch heute vorstellen zu können, denn er hat sich bereit erklärt mit einige Fragen zu beantworten…

Du hast bereits eine große Anzahl an Büchern unter die Lesergemeinde gebracht. Welche davon gehören zu deinem neusten Projekt? Stell sie uns doch bitte mal vor.

 Das Neueste von mir sind die Berlin-Krimis „Unsichtbar und trotzdem da!“ für LeserInnen zwischen neun und zwölf Jahren. Dabei ist Berlin nicht nur Kulisse, sondern neben den Hauptfiguren Jenny, Addi, Ağan und dem Affen Goffi in seiner Verrücktheit und Mannigfaltigkeit, mit seinen wechselnden Gesichtern und Orten und seiner Unberechenbarkeit ein eigener Protagonist. In den verschiedenen Stadtvierteln stehen alte Villen unter gläsernen Wolkenkratzern, es gibt typische Berliner Wohnblocks mit ihren Innenhöfen und den langen Keller- und Dachbodensystemen. Da sind Kleingärten, Wassergrundstücke, wüstenartige Baustellen, Häfen, U-Bahntunnel, Dampfer, Seen und Wälder, prächtige Museen und seltsame Betriebe in versteckten Hinterhöfen. Und mitten in diesem aufregenden Sammelsurium lauern seine unheimlichsten Bewohner: die Menschen.

Niemand kennt diese Stadt und ihre Bewohner besser als die Kinder. Außerdem sind Kinder in der Großstadt oft so gut wie unsichtbar. Sie werden ja sowieso dauernd übersehen, überhört, übergangen. Deswegen gibt es für die Unsichtbar-Affen, so nennt sich die Detektiv-Bande, so gut wie keinen unerreichbaren Ort.

Unsichtbar-Affen nennen sich Jenny, Addi und Ağan, weil sie als Kinder eben viel zu oft übersehen werden. Aber sie drehen den Spieß um. Wer unsichtbar ist, der kann mehr sehen und erkunden als einer, der überall auffällt. Und Affen werden die drei sowieso dauernd genannt: „Halt keine Maulaffen feil! Du benimmst dich wieder wie ein dummer Affe! Mach doch nicht so ein Affentheater!“

Machen wir unserem Namen also Ehre, haben sich Jenny, Addi und Ağan vorgenommen: Seien wir affengeil mit Affenzahn!

Es gibt kein Motto in meinem Leben. Aber mein Freund Huby schrieb mir zu meinem Geburtstag: „Ich wünsche Dir Schaffenskraft, Fröhlichkeit, tausend gute Einfälle und nur den Erfolg, den du dir selbst wünschst!“ Daran möchte ich mich gerne halten.




Hier einige Bücher seiner Buchreihen:




Du schreibst am Liebsten im Genre der Kinder und Jugendliteratur in Verbindung mit Krimis, gibt es vielleicht auch noch andere Gebiete, die dich interessieren und die du gerne in Bücher einbinden würdest?

Stimmt, ich liebe Krimis. Und das in meinem Schreibfall aus zwei Gründen. Ich liebe es, die Welt und die Gesellschaft aus Kinderaugen zu betrachten und in Krimis geht es immer um Gerechtigkeit.

Es gibt allerdings auch andere Themengebiete, die mich reizen. Wenn Du dir meine Jugendromane anschaust oder meine Theaterstücke, stößt du immer wieder auf gesellschaftliche Fragen. Mobbing, Angst vor und Umgang mit Krankheit, soziales Miteinander, Wahrheit und Lügen, Mutmachen.

Meine „Akademie der Abenteuer“ erzählt vom Kampf um Macht und Geld und taucht dabei ins Jetzt und tief in die menschliche Geschichte ein.

Gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren mich, der Wahnsinn des Kapitalismus interessiert mich, die Kraft des Geldes und die Krankheit der Liebe zum Geld. Liebe und Freundschaft interessieren mich zutiefst. Angst interessiert mich sehr.

 Nach dem vierten Band der Akademie werde ich eine kurze Pause mit der Akademie einlegen, weil der jetzige Verlag, in dem die Bücher eins bis vier erscheinen, nur diese vier Bände herausbringen will. Ich habe dann das Recht, die Bücher fortzuführen, werde aber ein Jahr keinen weiteren Akademieband schreiben. In dieser Zeit werde ich zusammen mit meinem Freund und Kollegen Felix Huby wieder ein Theaterstück für Kinder schreiben, in dem es um Armut geht.

Außerdem habe ich zwei Ideen im Kopf, die, in großen Worten gesagt, von Kindern oder Jugendlichen erzählen werden, die auf wunderbare neue Möglichkeiten stoßen, ihr Leben neu zu gestalten. Um zwei Stichwörter zu nennen, es geht um die Kraft der Musik und es geht um ein Wesen, das in der Stunde der größten Not lebendig wird und helfen kann.

Was hälst du von den alltäglichen Fantasy Romanen, die auf dem Buchmarkt zu Tausenden kursieren? Würdest du auch mal gerne in diese Richtung schreiben? Wenn ja, was würde dein Buch aus der Menge herausragen lassen? Welche Elemente, baust du ein?

Ich habe im Leben vielleicht vier Fantasybücher gelesen. Den Herrn der Ringe, Hieros Reise und die unendliche Geschichte, wen Du sie dazuzählen willst. Ich glaube, das war es dann auch schon. Mich ziehen andere Genres stärker an, ich kenne mich da nicht wirklich aus. Die fantastischen Welten, die in mir enstehen, tauchen immer im Hier und Jetzt auf und verändern dieses dann durch ihr Erscheinen. Bei mir würde die Welt, die wir kennen, anfangen Kopf zu stehen und sich anders zu drehen. Und genau das werde ich in den kommenden Büchern auch tun.

Davor widme ich mich aber noch dem Theater und werde mit dem wundervollen Musiker und Saxophonisten Tom Keller einige meiner Gedichte auf bisher unerhörte Art aufführen.


Du schreibst ja nicht nur Bücher, sondern auch Drehbücher und Theaterstücke. Welche Art des Schreibens liegt dir besonders am Herzen und warum?

Meine größte Stärke sind das erzählende Buch und das Gedicht. Für das Theater schreibe ich gerne aber seltener. Obgleich ich glaube, dass gerade soziale Themen unverpackt im Moment in Deutschland fast nur der Bühne wirklich aufgehen. Im Bereich Drehbuch schreibe ich nur noch, wenn ich das mit genau den Menschen tun kann, mit denen ich zusammen arbeiten will.

Buch und Gedicht liegen mir am Herzen, weil ich den Fluss der Sprache liebe, wenn sich Geschichten entfalten und Gedanken, Erzählung, Erkenntnis und Handlung wie balgende Tiere über den Boden rollen und einen mitnehmen.

Im Gedicht ist es die Verbindung von Musikalität der Sprache und dem Versuch, meinen Geist zu fassen zu kriegen.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Und welches war dein erstes veröffentlichtes Buch? Wie alt warst du und welche Gefühle machten sich breit, als du den Verlagsvertrag in deinen Händen halten konntest?

Begonnen, regelmäßig zu schreiben habe ich mit Zwölf. Mein erstes veröffentlichtes Buch war ein Theaterstück und insofern auf der Bühne lebendig und in den Händen nur ein paar lose Blätter.

Vor den Buchverträgen hatte ich schon oft am Theater gearbeitet. Das heißt, Verträge über künstlerische Arbeiten waren mir nichts Unbekanntes mehr, als ich den ersten Buchvertrag unterschrieb.

 Und stolz auf meine Bücher spielt, ehrlich gesagt, nicht so die Rolle bei mir. Bücher müssen veröffentlicht werden, damit sie gelesen werden können, das ist sozusagen ein ganz praktischer Lebensvorgang. Ich bin auch so gut wie nie in Buchhandlungen gegangen und habe nach meinen Büchern geschaut.

Oft beißen sich die künstlerische Arbeit und die mitunter durchaus harten Verhandlungen ums Geld. Das kann einem sogar die künstlerische Kraft angreifen. Darum gibt es Momente, wo ich jemand anders bitte, das für mich zu übernehmen.

 Ein Vertrag ist nur eine Abmachung. Kein Vertrag ist ein Geschenk eines Verlages.

Der Prozess des Schreibens ist für mich persönlich das Wesentliche. Glücklich machen mich auch meine Leser und Leserinnen, wenn sie ein Buch von mir als für sich wertvoll erleben.

Wie war es für dich mit dem ZDF zusammenzuarbeiten? Hat dir das neue Möglichkeiten gezeigt? Spiegelt sich deine Lebenserfahrung in einigen Geschichten wider?


Die Arbeit beim ZDF war in erster Linie eine Arbeit. Insgesamt hat mir das Fernsehen keine neuen Möglichkeiten gezeigt. Ich habe meinen Fernseher vor etwa fünf Jahren abgeschafft. Ich gucke aber DVDs, denn Filme mag ich schon. Fernsehen gucke ich nur im Hotel. Es gibt sicher gute Leute beim Fernsehen, und ich habe auch einige kennengelernt, die Freunde wurden. Aber es gibt auch ein anderes Lager, wo es sehr simpel um zuviel Geld geht. Mein Freund Paride, der in der Werbung arbeitet, meint immer, der Fernseher ist in erster Linie ein Behälter für Werbung. Sicher kein abwegiger Gedanke.


Was wünscht du dir für die Zukunft? Gibt es schon Pläne für neue Bücher? Mit welchem Verlag würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?


Ich werde weiter mit dem Kosmos Verlag zusammenarbeiten. Ich werde weiter mit Ravensburger zusammen arbeiten, wir haben gerade für 2014 ein neues gemeinsames Projekt beschlossen. Im Theaterbereich wird etwas entstehen und der Verlag wird Kiepenheuer bleiben. Dann gibt es da noch eine Idee mit dem Frech Verlag. Ich werde weiter „Unsichtbar und trotzdem da!“ schreiben und „Die drei ??? Kids“. Ich werde den vierten Band der „Akademie der Abenteuer“ schreiben und trage Ideen in mir für weitere drei oder vier Bände für die Akademie. Es gibt zwei Ideen in mir, die ich vorhin angedeutet habe. Ich möchte einmal ein Buch über einen Jugendlichen mit Diabetes schreiben. Und ich habe eine Thriller-Idee, die sicher nur für Erwachsene wäre. Der Musiker und Schauspieler Andreas Krämer bringt demnächst in Bremen Teile meines Romanfragments „Hundehimmel“ auf eine kleine Bühne. Tom Keller und ich arbeiten an der Gedichtesache. Ich wünsche mir, dass jedes dieser Bücher oder Projekte sein Publikum erreicht, seine Menschen findet. Was dabei die Verlage angeht, sind es immer die Menschen, mit denen ich arbeiten kann, die mich anziehen, nicht die Namen. Diese Wege entwickeln sich über Menschen, mit denen ich arbeite oder gearbeitet habe. Sie müssen wachsen.


Rezension von Glimmerfee ;)

Ich bedanke mich bei dem Autor für das Interview!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen