Samstag, 3. September 2011

Ilolis - Kapitel 8!

Hey,
da es ja nun noch eine kleine Weile dauern kann bis mein Roman "Ilolis - Die Verstoßenen" erscheint, dachte ich mir ich tue allen fleißigen Lesern einen Gefallen und stelle das bisher noch unveröffentlichte 8. Kapitel online!
Ich wünsche euch natürlich viel Spaß beim Lesen.


Kapitel 8: Getrennte Herzen


Schon wieder befand ich mich auf der Flucht vor Menschen die mich töten wollten, doch dieses Mal war ich nur für mein eigenes Leben verantwortlich. Dennoch bereitete mir die Vorstellung an Castiel und seine Ketten Bauchschmerzen. Ob Laine und Osiris sich auch gut um meine große Liebe sorgten? Egal, nicht mehr lange und ich wäre wieder bei ihm. Doch was dann? Sollte ich ihn gehen lassen? Mein Volk brauchte mich, ob sie das wussten oder nicht. Ich war ihre einzige Chance den schrecklichen Krieg zu verhindern der seine Fläche mit jedem verstrichenen Tag vergrößerte.
Miauend hielt ich eine Minute inne. Ich war schon weit genug gekommen um mir sicher zu sein dass sie mir nicht folgten. Als ich meinen nächsten Schritt wagte, trat ich auf eine Distel und zuckte zusammen. Vorsichtig leckte ich über die kleine Wunde und begann damit mich zu ärgern. Ich hatte keine Ahnung was ich nun tun sollte. Sie würden mir Castiel ja nicht einfach so aushändigen und ich hatte nicht einmal ein Druckmittel. Als ich einen Ast hinter mir knarren hörte, wusste ich dass mein Versteck keines mehr war und mir jemand auf die Schliche gekommen sein musste. Zögernd drehte ich mich um und beäugte die Person mit offenem Maul und weißen Zähnen. Als die junge Frau näher kam, erkannte ich sie und verwandelte mich hastig zurück. Dann stürzte ich auf sie zu und umarmte sie. „Mensch Laine bin ich froh dich zu sehen!“, keuchte ich. „Aber warum bist du denn nicht bei Cas und Osiris?“ Sie schwieg und musterte mich mit feuchtem Blick. „Sana...!“, begann sie, doch schon der Schwäche ihrer Stimme war zu entnehmen dass etwas nicht stimmte. „Was ist passiert?“, fragte ich eifrig und rechnete mit dem Schlimmsten. „Sie wollen ihn noch heute hinrichten. Mich haben sie weggeschickt und Osiris haben sie getötet. Er ist zu Asche zerfallen!“ Dicke Tränen kullerten an ihrer Haut hinunter. „Das ist ja schrecklich!“, jammerte ich und zog kräftig an ihrem Arm. „Lass uns gehen ich kann sie aufhalten und Osiris mit meinem Blut erwecken!“ Doch Laine wehrte sich und stoppte so mein Vorhaben. „Und was glaubst du, was du dann rettest? Selbst wenn du es schaffst Castiel zu befreien, so werden sie ihn dennoch früher oder später töten. Hast du es noch nicht verstanden? In diesem Land herrscht Krieg, auch wenn er noch nicht so offensichtlich war. Bald werden unsere Wälder brennen und eine Seite wird bluten, welche kannst nur du entscheiden!“ Ich senkte meinen Kopf und dachte über ihre gefühlsbetonten Worte nach. Dann griff ich erneut nach ihrem Handgelenk und sagte: „Ich muss mich nicht entscheiden! Ich werde es schon schaffen diesen Krieg zu stoppen und du kannst mir dabei helfen, denn auch deine Familie ist davon betroffen!“ Nun musterte sie mich mit großen Augen und vermochte kein Wort über ihre zarten Lippen zu bringen. Dabei hatte ich genau wie sie zuvor nur über die Wahrheit gesprochen.
Hastig machten wir uns auf den Weg. Laine wehrte sich nicht gegen meinen Plan, sie schwieg lieber. Ich war mir nicht ganz sicher ob ich wirklich wissen wollte was mich gleich erwarten würde, doch es blieb mir nichts anderes übrig. Schon nach wenigen Metern erreichten wir unser halb zerstörtes Dorf. Die Soldaten waren vertrieben und das Leben wenigstens ein bisschen zurück gekehrt. Die Kinder spielten unter der Aufsicht von Erwachsenen und die Verletzten, schienen in der prallen Sonne dahin zu vegetieren. Bei dem Anblick meines Volkes wurde mir schlecht und ich beugte mich vorn über um mich zu übergeben. Was hatten sie durch ihre Taten schon erreicht? Einen Unschuldigen den sie quälten und als Gefangen zu verzeichnen hatten, der jedoch niemals die Toten und Verletzten aufwiegen könnte. Warum machten sie sich etwas vor? In dieser Schlacht würden wir gegen den Feind verlieren, dass wussten sogar unsere tierischen Begleiter denn sie waren alle im Wald verschwunden geblieben. Langsam machte ich einen Schritt nach dem Anderen und wagte mich vor. Laine zitterte am ganzen Körper denn auch ihr war diese Sache nicht geheuer. Dann passierte, was nicht zu verhindern war, ein Kind entdeckte uns. „Da ist die Auserwählte! Da ist Sana!“, schrie der kleine Junge und deutete mit dem Zeigefinger in unsere Richtung. Sofort holten alle meine Leute ihre Waffen und richteten die Spitzen ihrer Schwerter uns entgegen. Vorsichtig schob ich Laine von mir und glaubte sie so in Sicherheit wiegen zu können. „Was willst du?“, zischte einer unserer Ältesten und starrte mich wütend an. „Ich komme um euren Geist von der kranken Vorstellung ihr könntet diese Schlacht gewinnen, zu befreien!“ Nun begann er mit lachen und hielt sich amüsiert seinen runden Bauch. „Als ob du hier etwas ausrichten könntest! Du bist nichts weiter als eine miese Verräterin und dabei wird es wohl auch bleiben! Also mach uns alle froh indem du uns nun den Rücken zu kehrst und wieder gehst!“ Ich entspannte meine Haltung und verneigte mich mit einem breiten Grinsen vor dem Mann. Erstaunt schaute er hinab zu mir und fragte dann: „Was soll uns das nun wieder sagen?“ Ich zuckte mit den Schultern und strich über meine weiche Haut. „Ich bin bereit für mein Vergehen eine gerechte Strafe entgegen zu nehmen, nur verlange ich als Gegenleistung dass ihr mir endlich zuhört!“ Der Mann runzelte die Stirn, schnappte sich einen kleinen Dolch mit einem glitzernden Griff und kam näher. „Eine Strafe? Da kenne ich sogar mehr als eine und sie alle wären nie genug für deinen Verrat an deinem eigenen Volk. Du bist unsere Auserwählte und demnach auch die einzige Person die Gott uns geschickt hat um unserer Art zu helfen, doch du tust nichts weiter als dich mit dem Feind zu verbünden!“ Seine Klinge funkelte elegant als er sie empor streckte und gegen das helle Licht der Sonne hielt. „Du wirst ab heute unsere Gefangene sein und deine Kräfte im Kampf gegen den Stamm der Zahama für uns nutzen!“ Laine verkroch sich nun noch mehr hinter mir und begann mit zittern. „Wie können sie nur so etwas tun?“, flüsterte sie und kämpfte mit den Tränen. „Ihr wollt mich als Gefangene halten? Dabei bin ich nur zurück gekommen um euch wachzurütteln, doch vielleicht hatten die Anderen ja Recht, ihr beharrt so auf eurem Trugschluss dass ihr die Folgen nicht seht!“ Der Mann lachte und richtete nun die Spitze des Dolches in meine Richtung. Ein Wimmern drang durch die Menge und als ich mich umschaute erkannte ich meine Eltern die sich umarmten und sicher für meine Anwesenheit schämten. Nie hätte ich es mir zu träumen gewagt dass sie sich eines Tages gegen mich stellen würden! „Legt ihr Ketten an und bringt sie zu ihrem Freund!“ Nun wurde Laine wütend und stellte sich eifrig vor mich, doch noch ehe sie hätte ein Wort sagen können, schob ich sie liebevoll erneut zur Seite und schüttelte dann traurig mit dem Kopf. „Dann sei es so!“, hauchte ich. Sofort kamen auch schon die Soldaten unseres Stammes und hielten mich eisern fest. Einer der Männer gab mir sogar seine Jacke, weil ich nach meiner Verwandlung noch immer nackt war. Dann verschleppten sie mich an einen Ort den ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen hatte. Zwar befanden wir uns wieder in unserem alten Dorf, doch jene grüne Wiese zwischen den Felsen an einem Fluss hatte ich noch nie zuvor betreten. Der Boden war hier abgedeckt mit Palmblättern und sah nicht gerade stabil aus. Und ich hatte Recht, denn unter dem ganzen Grünzeug zur Tarnung befand sich ein tiefes Loch was ausgebaut war wie eine Zelle. Eine in den Stein gehauene Treppe vereinfachte den Weg nach unten. Erbost zog der Mann an meinen Ketten und ich verlor den Halt. Schmerzhaft rutschte ich zu Boden und schlug mir mein Bein an einem spitzen Kristall auf. Als ein dünnes Rinnsal an Blut an meiner Haut hinunterlief, bekam einer der Soldaten Mitleid. „Sie ist immer noch eine von uns! Und überlegt doch mal, Sana hat doch nur versucht einen geliebten Menschen zu schützen! Würden wir in solch einer Situation nicht genauso handeln?“ Die Wachen musterten ihn mit großen Augen und auch ich war erstaunt über seine Worte. „Wer Mitleid bekommt für sie und ihren Freund ist hier fehl am Platz. Mach dass du hier raus kommst! Ich enthebe dich hiermit von deiner Aufgabe und deinem Rang!“ Der recht junge Soldat verdrehte die Augen. „Von welchem Rang? Erkennt ihr es denn alle nicht? Was wir hier tun verhindert den Krieg auch nicht! Sana hat vollkommen Recht, wir begehen gerade den selben Fehler wie damals und wie das endete müsstet ihr eigentlich noch wissen, denn genau dieses Vergehen hat uns zu einem verstoßenen Volk gemacht!“ Dann hetzte er wütend die Stufen nach oben und verschwand. Ich war für einen Moment starr und wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte. Anscheinend war noch nicht alles verloren und es gab noch Menschen die man umstimmen konnte.
Grob zerrte man mich zurück auf die Beine und drängte mich tiefer in den ausgegrabenen Berg hinein. Wo genau wir uns gerade befanden konnte ich nicht sagen. Auch war es viel zu dunkel um einen Weg erkennen zu können. Irgendwann zündete der Älteste eine Fackel an und sperrte mich in eine winzige Zelle aus kaltem und nassem Stein. Die Ketten wurden im Boden verankert und die Tür aus massiven Metallstäben geschlossen. „Jetzt hast du keine andere Wahl als uns zu gehorchen!“, murmelte er und zog an seiner Hose, die über seinen Bauch gerutscht war. Dann steckte er seinen Dolch wieder an seinen Gürtel und ging mit den Soldaten zurück an die Oberfläche.
Ich wartete einige Minuten und schaute mich um. Die Dunkelheit machte meinen Augen sehr zu schaffen. Doch dann, als ich mir sicher war dass keiner der Wachen draußen auf mich wartete, verwandelte ich mich in eine Fledermaus. Mein Körper schrumpfte und an meinen Armen wuchs eine lange Haut zum Fliegen. Zwei winzige Ohren machten sich auf meinem Kopf breit und ein kleiner weißer Fleck wirkte so buschig wie der Schwanz eines Kaninchens auf meinem Bauch. Dieses Tier konnte sich gut in solch einer Finsternis zurecht finden, also flog ich los. Anfangs war es gar nicht so einfach dahinter zu kommen wie ich meinen Körper zu gebrauchen hatte um in der Luft zu bleiben. Doch dann funktionierte alles und ich segelte durch die nasse Höhle. Eine Zeit lang suchte ich mit Zweifeln die sich langsam in meinem Herzen ausbreiteten, doch irgendwann vernahm ich ein leises Stöhnen und wusste ich hatte ihn endlich gefunden. Mein Herz raste als ich wieder zu einem Menschen wurde und barfuß den kleinen Weg entlang schritt. Vor einer recht alten Zelle blieb ich schließlich stehen und zündete eine Fackel an. Dafür war schon alles bereit gelegt gewesen und das nutzte ich aus. Vorsichtig öffnete ich die knarrende Tür und ließ vor Schreck die Fackel zu Boden sinken. Da lag er! Zusammengesunken und halb verhungert auf dem Boden. Seine Handgelenke waren blutig von den Ketten und sein Gesicht wirkte so stumm und schwach als könnte es auch ohne Worte Gefühle ausdrücken. Seine Haare waren zerzaust und feucht von dem Wasser was von den Wänden tropfte. Anscheinend konnte er auch nur durch diese Flüssigkeit überleben. Dabei war ich eigentlich gar nicht so lange fort gewesen und dennoch hatten die letzten zwei Tage an seinen Kräften gezehrt. „Cas!“, hauchte ich sanft und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht. Dann zog ich ihn liebevoll auf meinen Schoss und drückte ihn an mich. „Castiel, mach die Augen auf!“, kreischte ich, jedoch leise genug um nicht entdeckt zu werden. Zitternd tat er was ich von ihm verlangte und starrte mich mit seinen leeren Pupillen traurig an. „Was haben sie dir angetan?“, fragte ich schluchzend und küsste ihn. „Nichts!“, hauchte er. „Nichts?!“, wiederholte ich verwirrt. „Sie wollten mich heute töten, oder zumindest als letzten Trumpf in diesem Krieg verwenden und dahin vegetieren lassen. Dabei haben sie ja keine Ahnung wie mein Vater bei so etwas reagieren würde!“ Ich lächelte und strich liebevoll an seiner Wange entlang. „Er würde doch alles für dich tun? Oder nicht?!“ Cas ´ Augen funkelten und er schüttelte bedrückt mit dem Kopf. „Er würde mich jeder Zeit opfern und selbst wenn ich einen Weg finden würde um in dieser dunklen Stunde zu ihm zurück zu kehren dann würde er mich höchst wahrscheinlich für meine Flucht bestrafen!“ Ich zuckte zusammen und wiegte ihn in meinen Armen. „Das kann ich mir einfach nicht vorstellen!“, brummte ich. Cas schwieg und schaute verlegen in meine Augen. Dann setzte er sich auf und drückte sich an meine Brust. Er schaute an meinem Körper hinab und strich mit seinen kalten Fingern an meinem Bauch entlang. „Was machst du da? Für Liebesspielchen haben wir jetzt echt keine Zeit!“ Cas lächelte und nickte. „Dann hol mich mal hier raus!“, zischte er und rüttelte an den Ketten. „Osiris könnte sie doch schmelzen, oder nicht?“ Cas kippte zur Seite und schüttelte aufgebracht mit dem Kopf. „Nur wenn du auch gleichzeitig meine Haut verbrennen willst!“ Ich nickte und dachte angestrebt nach. „Warte hier, es scheint nur mit dem Schlüssel zu funktionieren, also werde ich ihn mir holen!“ Cas schaute auf und versuchte mich zurück zu ziehen. Doch er bekam meine Hand nicht mehr zu fassen und so verschwand ich wieder in der Dunkelheit. Irgendwo musste mein Freund sein! Ich konnte deutlich die Asche von Osiris spüren, denn mein Blut pulsierte innerlich. Mit kleinen Schritten kam ich näher und erblickte eine hell leuchtende Fackel. Nun wurde ich aufmerksamer und machte mich auf alles gefasst. Als ich um die Ecke schlich, konnte ich einen Soldaten sehen der sich an die kühle Wand schmiegte und eine bunte Urne bewachte. „Osiris!“, hauchte ich leise und sofort spürte ich eine Art elektrischen Strom er durch meinen Körper jagte. Auch die Urne blieb nicht verschont und entglitt dem überraschten Mann aus den Fingern. „Was zum?“, schrie er und zog sein Schwert. „Bist du etwa hier? Aber das kann doch eigentlich nicht sein!“, keuchte er und wischte sich etwas Schweiß von der Stirn. Ich kam aus meinem Versteck heraus und bedeckte vor Scham die wichtigsten Bereiche meines Körpers, denn jener junge Mann war mir nicht unbekannt. „Wulf?“, flüsterte ich als müsse dieses Geheimnis verborgen bleiben. „Wie bist du den zu einem Soldat geworden?“ Er lächelte und senkte seine Waffe. „Da viele von uns getötet wurden, brauchten sie neue die jene verrückten Pläne des Ältesten in die Tat umsetzen.“ Ich runzelte die Stirn, wollte aber auch kein längeres Gespräch beginnen. „Hast du einen Schlüssel für die Zelle von Castiel?“ Wulf versteifte augenblicklich den Griff um sein Schwert und hob es mit einem leisen Stöhnen wieder nach oben. „Süße, dann flieh du, aber ihn kann ich dir nicht überlassen! Er ist unser Feind!“ Ich schüttelte mit dem Kopf. „Ohne ihn werde ich nicht noch einmal von hier verschwinden und überhaupt woher wusstest du dass ich mich befreit habe?“ Wulf zuckte mit den Schultern. „Mir war klar dass du dich verwandeln würdest, doch der Älteste meinte dazu wärst du nicht einfach so im geschwächten Zustand in der Lage.“ Vorsichtig kam ich näher und berührte die Spitze seines Schwertes mit meinem Zeigefinger. „Bitte gib mir den Schlüssel!“ Doch er weigerte sich. „Geh einfach oder ich zwinge dich dazu!“ Nun weiteten sich meine silbernen Augen. „Zwingen? Etwa mit Hilfe deiner Waffe?“ Er reagierte nicht und ließ lediglich seine Mundwinkel nach oben rutschen. „Ich könnte dir niemals weh tun, das weißt du! Geh!“ Doch ich beharrte auf meinem Plan und blieb stehen. „Nun gut du hast es so gewollt! Wachen! Sie ist entkommen! Die Auserwählte versucht zu fliehen!“, schrie er so laut er nur konnte. Urplötzlich wurde der Gang erhellt und Schritte waren zu vernehmen die immer näher kamen. „Verwandle dich und fliehe, ihn kannst du jetzt sowieso nicht mehr retten!“ Niemals würde ich diesen Ort ohne Castiel verlassen, wo ich doch nun wusste dass er diesen Abend nicht überlegen sollte! Angespannt wartete ich auf die Wachen. Nun wurde auch Wulf ungeduldig und versuchte mich zu vertreiben. Irgendwann war es zu Spät und seine Versuche verstarben mit seinen traurigen Blicken. Gefangene die fliehen wollten, mussten den Schmerz eines Toten spüren, so war es hier Gesetz. Also türmten sie sich vor mir auf und richteten ihre Pfeile auf mich. Ich tapste nur ein paar Schritte nach hinten und stellte mich direkt vor die glänzende Asche. Dann schossen sie und ihre hölzernen Waffen bohrten sich in meinen nackten Körper. Wulf schrie, doch keiner nahm ihn wahr. Mein Herz raste als ich zu Boden sank und die kalten Steine mit meinem kostbaren Blut tränkte. Ein Rinnsal floss auf die Asche zu und verrichtete endlich mein geplantes Werk. Aus einem viel zu langen Schlaf wurde er wieder geboren und aus dem Totenreich erweckt. Der Phönix Osiris bäumte sich vor mir auf und breitete dann seine brennenden Schwingen aus. Sein Blick war starr auf die Soldaten gerichtet und seinen Hass konnte ich deutlich spüren. Das Feuer breitete sich urplötzlich aus und erreichte die verwunderten Wachen. Mit so etwas hatten viele von ihnen sicher nicht gerechnet. Ich hingegen versuchte mich noch die letzten Meter in Richtung der Asche zu schleppen, doch irgendwann wollte ich einfach nur noch liegen bleiben. Nun wurde es immer wärmer, denn Osiris hatte seinen inneren Geist geweckt und seine einzige Aufgabe bestand darin mich zu schützen. Und er machte seine Arbeit gut. Denn es dauerte gar nicht lange und die Männer waren verschwunden. Einige versuchten sich noch gegen das Tier zu behaupten, doch irgendwann wurden auch sie zurück gedrängt. Als ich seine unglaubliche Pracht mit schwindendem Bewusstsein betrachtete, fragte ich mich wie sie es das erste Mal geschafft hatten meinen Freund in die Hölle zu schicken?! Er war anscheinend viel zu mächtig als dass er sich von ein paar einfachen Menschen hätte töten lassen! Eine Stimme drang schließlich an mein Ohr und ich drehte meinen Kopf in die selbe Richtung. Es war Wulf der am Boden kauerte und seine Tränen vergoss. Osiris machte ebenfalls Kehrt und starrte den Jugendlichen erbost an. Allein mit seinen Augen konnte er meinen einstigen Freund in seinen Bann ziehen. „Nicht, er ist ein Freund!“, hauchte ich benommen und streckte meine Hand nach Wulf aus. Dieser strich traurig an meiner Wange entlang. „Du stirbst in meinen Armen! Warum nur bist du nicht einfach gegangen?“ Mit zitternder Stimme antwortete ich: „Weil ich ihn liebe und nur er kann mich retten. Wenn ich dir also wirklich etwas bedeute, musst du ihn so schnell wie möglich befreien!“ Wulf fackelte nicht lange. Der Schlüssel wurde hastig aus seiner Hosentasche gezogen und dann rannte er fort. Natürlich war es falsch ihn anzulügen, denn die rettende Asche war so nah, doch ich würde warten bis ich Cas ins Gesicht schauen könnte und wüsste dass er in Sicherheit war!
Ich konnte mich nicht mehr rühren und wagte es auch nicht. Nur meine Finger umschlossen vorsichtig die Pfeile in meinem Bauch. Ich rüttelte kurz daran, schaffte es aber nicht sie aus meinem Fleisch zu ziehen. Osiris zog hastig die Lust ein und zischte wie eine aufgebrachte Schlange. Dann ließ er sich neben mir nieder und schubste die Asche von seinem Tod näher an mich heran. „Nein...!“, sagte ich leise und zeigte ihm so dass ich nicht von ihm gerettet werden wollte. Schließlich hörten wir Schritte und ein paar Personen näherten sich uns. Castiel und Wulf hetzten zu mir hinüber und kauerten sich neben mich. „Sana!“, schrie Cas und zog mich zu sich heran. „Nun mach schon etwas, sie sagte nur du könntest sie heilen!“ Cas schaute sich um und wurde langsam wütend. Doch bevor er die offenbarenden Worte von sich gab, zog er die Pfeile heraus und streute etwas Asche in meine Wunden. Mit großer Bewunderung starrte Wulf auf meine durchlöcherte Haut und wie sich diese nun endlich schloss. „Sie hat nicht gelogen, du hast sie gerettet! Gott sei Dank!“ Cas funkelte Wulf böse an und erhob sich. „Nicht Gott, sondern Osiris der Phönix den du hier vor dir siehst! Was auch immer mit Sana geschehen ist, sie tat es mit Absicht um mir die Freiheit zu schenken!“ Jetzt wurde Wulf aufmerksamer. „Willst du mir damit sagen dass sie sich mit dem Glauben dich zu retten den Wachen entgegengestellt hat? Und sie rechnete auch mit den Pfeilen und den schweren Wunden? Aber was meinst du damit dass der Vogel sie gerettet hat? Das verstehe ich nicht?!“ Cas zog mich nun stumm nach oben und drückte mich fest an sich. Dann ließ er wieder ein wenig Platz zwischen uns und streckte seine Hand aus. Mit einem fast lautlosen Schlag traf er mich an meiner Wange und ich taumelte überrascht zurück. Verwundert starrte uns Wulf an. „Ich schätze das habe ich verdient!“, murmelte ich und rieb über meine Haut. Cas vermochte noch immer die Ruhe nicht zu stören und zog mich nun wieder zu sich heran. Dann begann er damit mich zu küssen und zu umarmen. „Das versteh mal einer? Erst ist er wütend und jetzt küssen sie sich?“ Ich grinste und zupfte mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Wie konntest du nur so etwas dummes tun? Das war viel zu gefährlich! Du hättest sterben können!“ Ich nickte und schmiegte mich an ihn. „Das war es mir wert und ich hatte schließlich nur diesen einen Versuch!“ Wulf verleierte die Augen. „Also wenn ihr wirklich fliehen wollt, dann bitte so schnell wie möglich, aber vorher müsst ihr mir noch gewisse Fragen beantworten. Fangen wir bei der Asche und dem Vogel an und dann klären wir noch warum du so wütend bist!“ Cas nahm mich bei der Hand und lief los. „Tja ich denke diese Fragen können jetzt leider nicht beantwortet werden. Vielleicht ein anderes Mal!“ Wulf öffnete seinen Mund und wollte etwas kontern, doch ihm blieb anscheinend die Spucke weg. „Na meinet wegen so interessant ist es ja nun auch nicht. Haut endlich ab!“, zischte er und stellte sich unzufrieden in die Nähe der nächsten Wand. Wir verabschiedeten uns und rannten los. Osiris leuchtete uns den Weg und wir fanden schon nach wenigen Metern den Ausgang. Als wir das Blätterdach über unseren Köpfen nach oben knickten, brannte die Sonne in unseren Augen. Cas brauchte einige Minuten, richtete sich dann wieder auf und reichte mir seine Hand. „Geht es dir auch wirklich schon gut?“, vergewisserte er sich. „Dafür haben wir jetzt echt keine Zeit! Osiris schau nach ob die Luft rein ist!“ Sprachlos starrte mich Castiel an. Zu gerne wären wir uns schon hier an Ort und Stelle um den Hals gefallen, doch das ließen die Umstände einfach nicht zu.
Osiris war ein echter Schatz und Beschützer. Er lenkte mit all seinen Kräften die Wachen ab und ermöglichte es uns so unbemerkt in den Wald zu verschwinden. Ein wenig überrascht war ich schon über die mangelnde Wache und dass nur so wenige versucht hatten nach der Aktion in dem Gefängnis Hilfe zu holen. Ich rannte immer schneller und zog Cas stur hinter mir her. Ihm blieb auch nichts anderes übrig denn ich hatte sein Handgelenk fest im Griff. Als wir Osiris nicht mehr hörten, stoppten wir und hielten einen Moment inne. „Deinem Bruder geht es gut und auch deine Cousine Carly ist nun eingeweiht, ich denke sie wird dir helfen. Du musst auf der Stelle gehen und dich auf die Seite deines Volkes begeben, denn meine Leute kennen nach den Morden kein Erbarmen mehr und werden dich bei der nächst besten Möglichkeit in Stücke reißen!“ Cas wollte etwas sagen, doch ich legte behutsam meine Finger auf seine weichen Lippen. „Ich habe mein Wort gehalten und nun verschwinde aus dem Land der Ilolis oder du wirst wie viele andere zu einem Kriegsopfer!“ Als ich gerade weiter sprechen wollte, zerrte er mich zu sich und drückte meinen zierlichen Körper so fest an den Seinen wie noch nie zuvor. „Was wirst du tun?“, hauchte er und schaute dabei verlegen zu mir hinunter. Ich wusste die Wahrheit könnte ich ihm nicht verraten, also log ich erneut um ihn zu schützen. „Ich werde versuchen mein Volk zu bekehren. Ich weiß dass ist schon relativ oft fehl geschlagen, doch nun kennen sie meine wahre Macht und wissen dass ich es ernst meine. Außerdem bist du fort und wenn ich freiwillig bei ihnen bleibe erkennen sie vielleicht dass ich mein Volk genauso schützen möchte, wie sie selbst!“ Liebevoll strich er durch mein Haar und küsste mich innig. „Verstehe!“, brummte er dann und ließ mich los. „Pass auf dich auf! Ich liebe dich!“, flüsterte ich und schenkte ihm ein falsches Lächeln. Er erwiderte dieses und sagte mir ebenfalls wie sehr er mich brauchte, dann verschwand er hinter ein paar Bäumen. Es dauerte nicht lange und Osiris landete neben mir. Es bleibt nicht viel Zeit!, sagte mein Freund eindringlich. „Ich weiß. Und ich werde auch nicht hier auf sie warten!“ Nun kam das Tier näher und berührte mich vorsichtig mit seinem Flügel an welchem nun die einstige Flamme des Kampfes erlosch. Aber ich konnte doch mithören, was du zu deinem Liebsten gesagt hast! Wieso hast du gelogen? Was hast du jetzt vor? Die Angst war deutlich seinen Worten zu vernehmen, doch ich schwieg. Dann verwandelte ich mich in eines der Kleinsten Tiere was noch immer in der Lage war zu fliegen und sich schnell zu bewegen. Als Marienkäfer setzte ich mich vor ihn und antwortete in Gedanken: Ich werde mich ausliefern und so die Seelen meiner Freunde retten, genau wie diesen Kampf der beiden Völker die mir und ihm am Herzen liegen! Osiris krächzte aufgebracht und schlug wild um sich. Doch ich erhob mich geschwind in die Luft und segelte im Strom des Windes durch den Wald. Ich brauchte nicht einmal lange suchen, denn schon bald hatte ich den traurigen Castiel gefunden und setzte mich auf seine Schulter. Auf diese Weise blieb ich unentdeckt und konnte zurück in das Lager seines Vaters gelangen.

Nach einem langen und ausdauernden Fußmarsch kam er schließlich an. Erschöpft stütze er sich auf einen dicken Stock und schaute sich dann mit feuchtem Blick um. Schon nach wenigen Sekunden hatten ihn die Soldaten entdeckt und der König wurde herbei gerufen. Keuchend kam er angerannt und umarmte seinen Sohn. Er wollte ihn gar nicht mehr loslassen und mich beschlichen so manche Gedanken. Hatte er seinen Vater vielleicht nur falsch eingeschätzt wo er mir diese Dinger im Gefängnis erzählte? „Ich bin froh dass du endlich wieder zurück zu mir gefunden hast!“ Cas nickte und klopfte seinem Vater auf die Schulter. „Und wo ist sie?“, stöhnte er und starrte seinem Sohn eisern in die Augen. „Wenn meinst du bitte mit sie?“, fragte Cas schüchtern und blickte verlegen in die Runde. „Die Auserwählte natürlich. Das Mädchen dass dir so verfallen ist! Hast du sie etwa nicht nur benutzt um sie her zu locken?“ Cas schluckte und schüttelte wütend mit dem Kopf, „So etwas würde ich niemals tun! Sie bedeutet mir einfach zu viel um sie für deine hirnlosen Pläne zu opfern!“ Nun wurde sein Vater eindringlicher und packte seinen Sohn an dessen Armen. „Wie kannst du mich nur so enttäuschen. Ich hoffe deine kleine Freundin weiß dass ich jeden töten werde den sie liebt nur um sie endlich in meiner Gewalt zu wissen!“ Ich zuckte zusammen auch wenn es für keinen Menschen sichtbar war. Jeden den ich liebte! Meine Eltern, Laine und ihre Schwester, Wulf und Aiden und natürlich Castiel und seinen Bruder Louge! Allein die Vorstellung brachte mich um den Verstand. Ich kroch über seine Haut und setzte zum Flug an. Meine gepunkteten Flügel trugen mich durch die Luft und schließlich landete ich vor den Füßen des Königs. Ich atmete tief ein und ließ meinen Körper wieder seine wahre Gestalt annehmen.
Die Verwunderung in den Gesichtern der Anwesenden war deutlich zu erkennen. Mit weit offenem Mund standen mir sowohl Cas als auch sein Vater gegenüber. „Da ist sie ja!“, brummte er und hob seine Hand. „Sie brauchen nichts zu sagen, ich bin freiwillig gekommen um mich auszuliefern. Ich habe es satt ständig vor einer Seite fliehen zu müssen. Wenn eben kein Weg daran vorbei führt und nur so der Krieg enden kann, dann bin ich bereit dieses Opfer zu wagen!“ Traurig senkte ich meinen Kopf und machte einen Schritt nach vorne. Doch sofort umschlossen mich Castiel´s kalte Finger und zogen mich zu ihm. „Bist du denn völlig verrückt geworden! Was hast du dir nur dabei gedacht und wie bist du mir überhaupt gefolgt? Doch nicht etwa die ganze Zeit als Marienkäfer oder?“ Ich nickte und befreite mich aus seinem Griff. „Nun ich finde es wirklich sehr nobel von dir und werde dich belohnen. Deine Schmerzen werden nicht ganz so grausam sein wie ich es anfangs geplant hatte!“ Ich stockte den Atem als zwei bewaffnete Soldaten auf mich zu kamen. „Nicht! Lasst sie in Ruhe! Das kannst du doch nicht machen? Du hast doch noch nie so leicht aufgegeben!“ Seine Augen füllten sich mit Tränen, doch die Männer seines Vaters ließen ihn nicht mehr zu mir. „Dann ist meine Arbeit hier getan. Sattelt die Pferde, wir bringen unsere kleine Auserwählte ins Schloss!“ Dann holten sie Ketten und legten sie mir um die Handgelenke. Nicht nur durch die Last, sondern auch durch irgendetwas anderes wurde ich schwach und sank zu Boden. Es war so als würden diese einfachen Ketten mir meine Kräfte rauben. „Oh, stimmt ja dass kannst du gar nicht wissen. Das Sana sind Ketten aus dem silberweißen Rhodium. Ein wirklich seltenes Material und bei uns zu Lande schwer aufzutreiben, doch es ist das Einzige was deine Verwandlungen unterbinden kann und es bricht auch den Kontakt zu deinem mystischen Seelenkameraden ab!“ Ich zuckte zusammen. Osiris? Dann würde er mich nicht mehr finden können. „Sprachlos? In ein paar Tagen wirst du dich nicht mehr bewegen können, aber dazu kommen wir später, wenn ich versuche deinen Geist zu brechen!“ Er lachte und hielt sich seinen Bauch. Dann machte er meine Fesseln an dem Sattel seines Pferdes fest und ließ seine Männer aufsitzen. „Wir sollten keine Zeit verlieren, nicht dass sie uns noch entwischt!“ Dann begann das Pferd mit traben und ich musste hinterherlaufen wie ein lästiger Hund. Ein letztes Mal warf ich einen Blick auf Castiel der in dem Moment sowohl Hass als auch Trauer empfand. Verzweifelt versuchte er zu mir zu gelangen, doch die Waffen der Soldaten sprachen für sich. Auch Louge und Carly waren aus den Zelten gekommen und schauten mir hinterher. Mein Herz raste und schmerzte so sehr dass ich kurz davor war Tränen zu vergießen. Bald war es vorbei und ich würde nun endlich meine Aufgabe erfüllen. Als wir den Wald betraten und uns von dem Lager entfernten, begannen die Tiere mit Flehen und Weinen. Doch nur für mich ergaben ihre Schreie Sinn und nur mein Geist würde sie beruhigen können. Doch ich sehnte mich nach etwas Bekanntem und ließ den Wald meine Trauer spüren. Denn sie rumorte in mir wie eine schreckliche Krankheit. Ich hatte mich für das Richtige entschieden, auch wenn das nun bedeuten würde, dass ich ihn vielleicht nie wieder sehen könnte!

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